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Biografisches Corona

Meine Tochter – ein Impfschaden!

Meine Tochter Cheyenne wurde nur 15 Jahre alt. Sie starb nur kurz nach ihrer zweiten Coronaimpfung. Sie ist ein Impfschaden.

Es war beim Essen, als es passierte. Als der Zusammenbruch passierte, der mein Leben völlig veränderte und das Leben meiner Tochter Cheyenne bald darauf beendete. Es gab Kartoffelbrei, Frikadellen und Gemüse. Cheyennes Lieblingsessen. Die ganze Familie saß beisammen: mein Lebensgefährte, meine beiden Söhne und ich. Cheyenne kam gerade von einer Verabredung mit einer ehemaligen Schulfreundin zum Essen dazu.

Meine Tochter war hungrig und schöpfte sich ordentlich Kartoffelbrei auf den Teller. Sie erzählte voller Freude von ihrem Nachmittag. Mir war in diesem Moment nicht klar, dass das die allerletzten Worte meiner Tochter waren. Sie schlug plötzlich mit der linken Hand in den Kartoffelbrei. Es war so, als ob sie sich nach mir ausstrecken wollte und der Arm dabei im Teller landete. Zuerst wollte ich mit ihr schimpfen. Ich dachte, sie albere herum, wie sie es immer gerne tat und was ich auch immer sehr an ihr mochte. Cheyenne war einfach ein super fröhliches Mädchen. Sie war wie die Sonne und erhellte jeden Raum, den sie betrat, und stand oft im Mittelpunkt. Ein Arm im Kartoffelbrei war mir aber dann doch zu viel des Guten. 

Ich bemerkte aber auch sofort, dass etwas gewaltig nicht mit ihr stimmte: Sie hatte einen ganz starren Blick und ihr Körper wand sich wie der einer Schlange und sackte schließlich zusammen. Als Intensivpflegekraft und gelernte Altenpflegerin wusste ich, wie Menschen aussehen, die kurz vor dem Sterben sind, und Cheyennes Symptome deuteten darauf hin. Dass sich jedoch ein Körper um die eigene Achse dreht – so etwas hatte ich vorher noch nie gesehen. Ich holte meine Tochter von dem Stuhl herunter und fing an, sie zu reanimieren. Sie hatte bereits keinen Puls mehr, einen schwarzen Mundinnenraum und nur noch eine Schnappatmung. Mein Lebensgefährte rief sofort den Rettungswagen. Wir alle hatten Panik.

Der Notarzt reanimierte meine Tochter 40 Minuten lang. Zusammen mit mir eine ganze Stunde. Anschließend wurde sie mit dem Krankenwagen in die Klinik nach Bayreuth gefahren. Später in der Nacht, als sie wieder stabil war, wurde sie mit dem Helikopter in das Universitätsklinikum Erlangen geflogen. Noch später habe ich erfahren, dass es da bereits zum Herztod gekommen war.

Noch in derselben Nacht wusste ich, dass der Zitteranfall meiner Tochter etwas mit ihrer Coronaimpfung zu tun haben musste. Erst ein oder zwei Monate davor war ja bekannt geworden, dass der Biontech-Impfstoff solche schlimmen Nebenwirkungen haben konnte. Meine Tochter ein Impfschaden? Ich hätte niemals gedacht, dass uns das treffen könnte. Denn vorher wurde der Impfstoff immer als sicher und sauber dargestellt. 

Am Abend des 15.11.2021 hatte ich ein ganz seltsames Gefühl am Krankenbett meiner Tochter und bat meinen Lebensgefährten, ein Foto von ihr zu machen. Ich gab ihr das Versprechen, dass ich herausfinden würde, wieso sie so plötzlich krank geworden war. Einen Tag vorher hatte ich ihr auch gesagt, dass sie gehen kann, wenn sie keine Kraft mehr hat.

Am nächsten Morgen bekam ich einen Anruf aus dem Krankenhaus: Meine 15-jährige Tochter war tot. Sie war um 8.10 Uhr verstorben.

Cheyennes ältere Schwester verfasste noch am selben Tag einen Facebook-Beitrag, in dem sie den Tod ihrer kleinen Schwester nach zwei Wochen Krankenhausaufenthalt mitteilte. Sie schrieb auch, dass die Todesursache nun ermittelt werde und die Ärzte eine auf die Coronaimpfung zurückzuführende Herzmuskelentzündung nicht ausschlossen. Meine Tochter betonte, dass Cheyenne kein Einzelfall sei, sondern immer mehr solcher Fälle publik werden und dass ich meine Unterschrift zum Einverständnis der Impfung bereue. Sie bat darum, blöde Kommentare zu unterlassen …

An diesem Tag bekam mein Kampf zu beweisen, dass meine Tochter aufgrund ihrer Coronaimpfung gestorben ist.

Die ganze Geschichte zu Cheyennes Tod und wie es für ihre Mutter anschließend weiterging sowie sechs weitere Berichte darüber, welche fatalen Folgen die Coronamaßnahmen auf Kinder haben, kannst du hier lesen.

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Interviews

Kickbox-Weltmeister Ertan Bicakci im Interview

Mit Weltmeister Ertan Bicakci durfte ich Interviews für die Magazine KLARTEXT, DRAN und TEENSMAG führen. Hier folgt ein Zusammenschnitt dieser.

Kickbox-Weltmeister Ertan Bicakci im Interview
Weltmeister im Kickboxen Ertan Bicakci

Hallo Ertan, du bist NRW- und Europa- und Weltmeister. Wie fühlt es sich an, der allerbeste Kickboxer zu sein? 

Ertan: Wenn man viel Zeit, Kraft und Leidenschaft in eine Sache reingesteckt hat, dann ist es einfach ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man das, was man angestrebt hat, auch wirklich erreicht!

Ich habe mir immer gesagt, dass ich es schaffen werde und darauf gezielt hingearbeitet.

Du hast erst mit 23 Jahren mit dem Boxen angefangen. Wie hast du es trotzdem so schnell (und) so weit geschafft?

Ertan: Als Jugendlicher habe ich Fußball gespielt, saß aber meistens auf der Ersatzbank. Natürlich hatte ich damit auch Ziele gehabt, aber ich habe niemals davon geträumt, Profifußballer zu werden. Es ging eher um den Spaß. Ein Freund hat mich dann mal zum Kickboxen mitgenommen. Ich habe mich sofort in diese Sportart verliebt. Irgendwann wurde dieses Hobby zum Beruf und jetzt verdiene ich meine Brötchen damit.

Mit dem Boxen fängt man ja gewöhnlich mit sieben oder acht Jahren an. Die Schläge, die man auf Dauer abbekommt, schädigen jedoch den Körper. Beim Kickboxen kommen dann noch die Kicks dazu. Kicks haben doppelt so viel Schlagkraft wie eine Faust. Dementsprechend haben die Kämpfer auch einen schnelleren Gelenkverschleiß.

Was ich damit sagen möchte: Es hatte für mich körperliche Vorteile, später anzufangen. Ich habe mehr Gas gegeben, war jeden Tag im Gym. Manchmal habe ich sogar unter dem Ring gepennt und dann am Morgen darauf gewartet, bis die Leute endlich zum Training kommen. So habe ich es geschafft, andere zu überholen. Ich habe mir immer gesagt, dass ich es schaffen werde und darauf gezielt hingearbeitet.

Du hast den Spitznamen Lokomotive. Wieso?

Ertan: Das kommt von meinem Kampfstil. Ich marschiere immer nach vorn bei meinen Kämpfen. Gerade aus bis zum Ziel. (Lacht.)

Ich bin gläubiger Christ und weiß: Ich hatte immer Gott an meiner Seite.

Du hast als Kickboxer 23 unbesiegte Fights hinter dir und keine Niederlage. Was ist dein Geheimnis? Und wie bereitest du dich auf die Wettkämpfe vor?

Ertan: Ich bin gläubiger Christ und weiß: Ich hatte immer Gott an meiner Seite. 

Bevor ich mit dem Kampfsport angefangen habe, bat ich Gott bei meinen morgendlichen Gebetsspaziergängen immer darum, dass ich später einmal erfolgreich im Sport werde und dadurch auch einen bestimmten Bekanntheitsgrad erlange. Ich wollte viele Menschen erreichen können, um ihnen von Jesus zu erzählen. Und das wollte ich durch den Sport tun. Diese Gebete wurden tatsächlich erhört. Das ist mein Geheimnis.

Was die Wettkämpfe angeht: In der Vorbereitungszeit bin ich immer sehr angespannt und möchte nicht so viele Menschen um mich herum haben. Dann verbringe ich noch mehr intensive Zeit mit Gott als sonst. Er hat mir in meinem Leben wirklich sehr oft geholfen, besonders bei den Wettkämpfen. Ohne ihn wäre ich nicht einmal halb so weit gekommen.

Etwa drei Wochen vor einem Kampf isoliere ich mich völlig, um mich darauf vorzubereiten. Ich brauche eine Woche, um reinzukommen. Eine, um fit zu werden und die letzte, um kampfbereit zu sein. Aber natürlich trainiere ich auch außerhalb dieser drei Wochen jeden Tag.

Kickbox-Weltmeister Ertan Bicakci im Interview
Ertan B. nach einem Kampfsieg.

Wie schaffst du es trotz deiner Erfolge auf dem Boden zu bleiben?

Ertan: Gott hat mich dorthin gebracht, wo ich heute bin. Würde ich jetzt abheben, dann würde ich ja mein Versprechen vor Gott brechen, was ich ihm gemacht habe, als ich ihn um den Erfolg gebeten habe.

Außerdem passt Abheben nicht zu meinem Charakter. Ich wurde früher in der Schule gemobbt und sogar geschlagen. Das bedeutet aber nicht, dass ich heute auf die Straße gehe und andere verprügle, nur weil ich jetzt stärker bin. Ich kenne beide Rollen: die des Schwächeren und die des Stärkeren. Ich möchte mich nicht so verhalten, wie die Mobber sich mir gegenüber damals verhalten haben.

Wieso glaubst du eigentlich Jesus und nicht Mohammed, Buddha oder einen anderen Gott? 

Ertan: Mit dieser Frage werde ich als Türke ständig konfrontiert. Bei uns ist es üblich, Moslem zu sein. Da fragen mich natürlich viel Freunde – wieso und weshalb Jesus? Vor Jahren habe ich mich mit Freunden auch auf Diskussionen eingelassen, was ich mal lieber hätte sein lassen sollen. Ich habe da einen Freund, den ich vom Glauben überzeugen wollte. Und er wollte mich von seinem Glauben überzeugen. Und im Endeffekt haben die ganzen Diskussionen über den Glauben mit ihm überhaupt nichts gebracht. Für mich kam aber dabei immer heraus, dass Jesus der beste und einzige Weg ist. Und es hat mir gezeigt, wie schön Jesus als Gott und Mensch ist. Wenn man sich damit ein wenig befasst, ergibt der christliche Glaube viel mehr Sinn als alle anderen.

Und wenn man sich die Menschen anschaut, die an Jesus glauben – die haben eine ganz andere Erscheinung, Empathie und vor allem Ausstrahlung als viele Moslems, sage ich mal. Als Christ ist man wirklich ein besserer Mensch, weil man Jesus als Vorbild hat. Klar, wir können nicht so perfekt sein wie er, aber wir streben es an und gehen damit in eine gute Richtung. Schaut man sich andere Glaubensführer an, merkt man, dass sie anderen viel Leid gebracht haben. Das möchte ich mir nicht zum Vorbild nehmen. Jesus ist der einzig wahre Big Boss. (Lacht.)

Angst bringt uns dazu, dass wir härter schlagen, schneller laufen und besser sehen und hören können.

Kennst du eigentlich Angst vor einem Kampf?

Ertan: Ja, natürlich. Obwohl Mike Tyson der Beste in seiner Prime war, hat er vor seinen Kämpfen vor Angst sogar geweint. Angst bringt uns dazu, dass wir härter schlagen, schneller laufen und besser sehen und hören können. Das Adrenalin macht uns wacher und aufmerksamer. Man muss nur lernen, mit der Angst richtig umzugehen. Außerdem bete ich ja auch immer vorher.

Du sagst, du hast vor jedem Kampf Respekt und betest davor. Du meinst auch, dass deine Gebete dir helfen zu gewinnen. Würdest du anders in einen Kampf gehen, wenn du wüsstest, dass dein Gegner ebenfalls ein betender Christ ist?

Ertan: Vor einem Kampf bete ich solche Sachen wie: „Bitte Gott, lass mich diesen Kampf gewinnen. Lass mich den Gegner und mich selbst dabei nicht ernsthaft verletzen.“ Und bis jetzt hat es immer funktioniert. Natürlich kann es sein, dass ich irgendwann gegen jemanden antrete, der ebenfalls zu Jesus betet. In einem solchen Fall würde ich mit einem Unentschieden einverstanden sein. So können wir beide einigermaßen zufrieden sein. (Lacht.)

Als Kampfsportler findet man seine Verletzungen auch irgendwie cool.

Aber du wurdest doch sicherlich mal verletzt, oder? Was war deine schlimmste Verletzung? 

Ertan: Bei einem Wettkampf habe ich einmal gegen einen sehr kampferfahrenen Niederländer gekämpft. Zehn Sekunden vor Kampfende hat er mir einen High Kick gezogen. Dabei hat er mich mit dem Zehennagel am Auge gestrichen und ich konnte auf einmal nichts mehr sehen. Also habe ich mich an ihn geklammert, bis der Ringrichter uns auseinander brachte – das ist ja schließlich erlaubt. Die Zeit war inzwischen abgelaufen und ich hatte gewonnen. Es stellte sich heraus, dass er mein Augenlid aufgerissen und meinen Sehnerv getroffen hatte. Ich wurde sofort am Auge genäht. Jetzt geht es meinen Augen aber wieder gut.

Ich hatte auch schon einige Male meinen Kiefer gebrochen oder etwas geprellt. Zurzeit ist meine Nase gebrochen. Das ist jedoch im Training passiert. Ich verletzte mich viel öfter beim Training als im Kampf. Im Englischen sagt man: Train hard, fight easy. 

Und als Kampfsportler findet man seine Verletzungen auch irgendwie cool.

Kickbox-Weltmeister Ertan Bicakci im Interview
Ertan B. (rechts im Bild) beim Kampf.

Welche Rolle spielt die Anerkennung anderer für dich?

Ertan: Früher war mir Annerkennung sehr wichtig. Als Kind und Jugendlicher wollte ich immer stark werden, aber ohne andere zu unterdrücken. Ich wollte den Respekt meiner Mobber und es ihnen, aber auch mir selbst beweisen. Jetzt konzentriere ich mich mehr auf meine Schützlinge. Die Leute kommen zu meinem Training und merken, dass es gut ist. Dann braucht man das nicht mehr zu betonen.

Was ist dir als Trainer besonders wichtig beim Unterrichten?

Ertan: Ich vermittle meinen Schülern immer wieder, dass sie auf dem Boden bleiben sollen. Und wer bei mir Unterricht nimmt, um später mit seinem Können Leute zu verprügeln, der kann sich sofort wieder abmelden gehen.

Ich unterrichte viele Jugendliche und bei ihnen habe ich schon an mich den Anspruch sie „auf den richtigen Weg“ zu bringen. Sie sollen durch den Sport von der Straße weg. Und weg von der Gewalt gegenüber anderen, hin zur Selbstverteidigung.

Wir trainieren, um fit zu werden. Um Stress abzubauen und das eigene Selbstbewusstsein zu stärken. Und natürlich, um sich selber verteidigen zu können. 

Und ich habe tatsächlich auch zum Ziel, dass meine Jugendlichen besser und erfolgreicher werden als ich. Ich selber hatte Trainer, bei denen ich gespürt habe, dass sie nicht wollten, dass ich ihre Leistung überhole. Dabei ist es doch ein starkes Zeugnis für mich, wenn ich meine Schüler so weit bringe.

Deshalb bin ich bei meinen Wettkampfschülern sehr hart, besonders was die Disziplin angeht. Sie lernen bei mir auch was fürs Leben: In der Schule auch mal den Mund zu halten und stillzusitzen zum Beispiel. 

Einer meiner Trainer damals war noch viel härter zu mir. Er hat mich mit Stöcken verprügelt. Das war damals gut für meine Disziplin. Aber heutzutage würden sich die Leute wohl alle abmelden. (Lacht.)

Mach deine Hassübung so, als wäre sie deine Lieblingsübung.

Was würdest du einem jungen Kampfsportler auf seinem Weg zum Erfolg mitgeben?

Ertan: Ich kann dazu nur sagen, dass es nie zu spät ist anzufangen. Wenn man motiviert und gewillt ist und man es wirklich mit Leidenschaft macht, dann wird der Erfolg auch von allein kommen. Wichtig ist es, an sich selbst zu glauben. Und wenn man jetzt auch noch mit Gott geht, wird sich alles so einstellen, wie man es sich vorgestellt hat.

Trotzdem ist das alles aber nicht so einfach, wie man sich das vielleicht vorstellt. Ich habe heute eine Nacht eine Nachricht von einem Schüler bekommen, der endlich kämpfen möchte. Aber: Es wird Tage geben, an denen er keinen Bock aufs Training haben wird. Dann muss er seinen inneren Schweinehund überwinden. Nur durch Disziplin und Ehrgeiz kommt der Erfolg. Ein Tipp von mir an alle: Mach deine Hassübung so, als wäre sie deine Lieblingsübung. 

Kickbox-Weltmeister Ertan Bicakci im Interview

Wenn du kein Profi-Boxer geworden wärst, dann wärst du heute sicherlich …?

Ertan: Ich habe eine Ausbildung als Fachkraft für Lagerlogistik und als Groß- und Außenhandelskaufmann abgeschlossen. Danach habe ich sechs Jahre als kaufmännischer Mitarbeiter im Großhandel gearbeitet. Zeitgleich habe ich mit dem Kampfsport angefangen, ohne natürlich zu wissen, dass ich einmal Profi werde. Hätte ich als Kampfsportler keinen Erfolg gehabt, wäre ich wahrscheinlich kaufmännischer Mitarbeiter geblieben.

Wenn du wüsstest, dass du bald sterben musst, wie würdest du die letzten Wochen deines Lebens verbringen?

Ertan: Vor paar Jahren hätte ich diese Frage wahrscheinlich mit weltlichen Dingen beantwortet: Urlaub, Spaß etc. Aber heute weiß ich: Ich würde zu Gott beten und noch die letzten Dinge mit ihm ins Reine bringen. Angst hätte ich vor dem Tod keine. Ich weiß ja schließlich, wo es für mich hingeht …

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Gedicht

Du bist

Du bist” ist ein Gedicht auf Grundlage von Psalm 63. Es wurde zuerst in der Zeitschrift Klartext veröffentlicht und anschließend in der Gospel Church Köln vertont vorgetragen und performt.

Ich habe Durst; du gibst mir Wasser.

Du bist das Wasser.

Mein Magen knurrt; du kochst ein Festmahl.

Du bist das Festmahl.

Ich bin in Not; du schickst mir Hilfe.

Du bist die Hilfe.

Mein Herz ist schwer; du schenkst mir Freude.

Du bist die Freude.

Sie hassen mich; du schenkst mir Liebe.

Du bist die Liebe.

Sie lügen und betrügen; du gibst mir Halt.

Du bist mein Halt.

Sie wollen meinen Untergang; du gibst mir Schutz.

Du bist mein Schutz.

Ich bin eine Tochter des Königs,

und du bist der König der Könige!

Deine Macht und Herrlichkeit werde ich preisen,

ein Leben lang.

Mich ganz nah an dich halten,

ein Leben lang.

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Drabble

Das Vorstellungsgespräch – ein Drabble

Ein Drabble
Foto by Fabio Santaniello Bruun

Ein Drabble ist eine Kurzgeschichte, die aus exakt 100 Wörtern bestehen muss. Die Überschrift wird dabei nicht mitgezählt.

„Sein Anzug muss wohl einiges gekostet haben!“, denkt Claire, als George sie mit einem festen Händedruck begrüßt. Sie weiß nicht, wie das hier ausgehen wird, will es aber unbedingt durchziehen. „Haben Sie gut hierher gefunden?“, fragt Georg Claire freundlich und fordert sie mit einer Handgeste zum Hinsetzen auf. „Nein, ich musste lange suchen!“, antwortet sie ihm in scharfem Ton. Georg zieht seine Augenbrauen hoch. Noch bevor er etwas sagen kann, spricht Claire weiter: „Genauer gesagt: ganze dreiundzwanzig Jahre! So lange habe ich gebraucht, um hierher zu finden. Um Sie zu finden! Oder sollte ich meinem Vater nicht lieber gleich duzen?“

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Body image

Würdest du damit klarkommen?

Würdest du damit klarkommen?

Du hast große Träume. Und du lebst dafür, diese zu erreichen. Dein ganzer Fokus liegt auf ihnen, alles andere stellst du hintan. Mit deiner ganzen Kraft gehst du deinem Ziel entgegen – Tag für Tag. Du läufst, kriechst, schlenderst, kletterst oder schwimmst darauf zu. Denn: Manchmal geht es schnell, dann wieder langsamer vorwärts. Das weißt du und kannst es zu deinem Vorteil nutzen. Schließlich ist jeder Fortschritt ein Fortschritt, nicht wahr? 

Es kommt jedoch auch vor, dass du Schritte rückwärts machst. Dann heißt es, sich sortieren, aufraffen und wieder volle Kraft voraus! Aufgeben kommt jedenfalls nicht infrage. Aufgeben ist etwas für Verlierer und du bist schließlich kein Verlierer.

Doch was passiert, wenn du dein Bestes gibst und am Ende trotzdem scheiterst, wenn sich der erhoffte Erfolg nicht einstellt? Wenn dein Bestes einfach nicht gut genug ist? 

Würdest du damit klarkommen?

Und dann gibt es das andere Extrem: Du erreichst alle deine Lebensträume und Ziele. Nicht nur die Zwischenziele, sondern die wirklich ganz großen. Du bist euphorisch, glücklich, stolz. Man gratuliert und applaudiert dir. Doch mit dem Erfolg und dem Applaus kommen auch der Neid und die Missgunst anderer. Die Anzahl deiner falschen Freunde steigt. Du kannst nicht mehr richtig unterscheiden, wer wirklich hinter dir steht und wer nur einen Teil vom Kuchen abhaben möchte. 

Nach einer Weile merkst du auch: Deine wahr gewordenen Träume machen dich nur für eine Zeit lang glücklich. Denn was soll jetzt bitte schön noch kommen? Wofür lohnt es sich noch, morgens aufzustehen und den ganzen Tag lang hart zu arbeiten? Entweder verfällst du der Antriebslosigkeit oder du willst immer höher hinaus. Weil du immer noch kein Verlierer sein willst, entscheidest du dich höchstwahrscheinlich für Option 2. Und tatsächlich: Auch deine neu gesetzten Ziele erreichst du. 

Und lass uns mal weiterspinnen: Stell dir vor, du bist sogar so gut in dem, was du tust, dass es weltweit niemanden gibt, der dich schlagen kann. Du bist die einfach mal absolute Nummer 1 auf deinem Gebiet! Doch wie lange wird das so bleiben? Deine Konkurrenz schläft nicht und ist dir schon dicht auf den Fersen. Wie wird es für dich sein, wenn du nur noch die Nummer 2 bist und später vielleicht sogar ganz in Vergessenheit gerätst? 

Würdest du auch damit klarkommen?

Was bringen dir also alle deine Ziele und Träume? Was lehren dich deine Erfolge und Misserfolge? Und was bleibt von ihnen übrig, wenn du nicht mehr da bist?

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Body image

Ich schließe meine Augen

Ich schließe meine Augen. Dann öffne ich sie wieder und schaue auf ein leeres Textdokument auf meinem Bildschirm. Dieses wird sich gleich nach und nach mit Buchstaben, Worten und Sätzen füllen. Inbegriffen werden Satzzeichen, Leerzeichen und Sonderzeichen sein. Das, was aufs Blatt kommt, wird zu einem Teil von dem bestimmt, was ich vorher alles erlebt und erfahren habe. Von meinen Grundüberzeugungen, Abneigungen und Launen. Und natürlich von den Umständen, unter denen ich schreibe. 

Ich schließe meine Augen.

Fehler, die mir im Dokument auffallen, kann ich einfach löschen, sodass es dann am Ende so ist, als ob es sie niemals gegeben hätte. Doch halt: Für die eigenen Fehler ist man oft blind. Ansonsten würde man sie wohl nicht machen. Man weiß es eben nicht besser. Oder schlimmer: Man möchte es einfach nicht besser wissen und schlägt nicht im Duden nach, wie etwas geschrieben wird. Andere Fehler sind Flüchtigkeitsfehler. Und diese übersieht man eben häufig auch. Deswegen nutze ich ein automatisches Rechtschreibprogramm, welches mich auf mögliche Fehler hinweist. Doch mit der Leistung dieses Programms bin ich oft unzufrieden. Deshalb habe ich mir extra ein kostenpflichtiges Rechtschreibprogramm besorgt. 

Es gibt jedoch auch Fehler, die selbst dieses Programm nicht erkennt. Fehler im Ausdruck, der Grammatik und in der Rechtschreibung. Und manchmal schlägt mir mein kostenpflichtiges Rechtschreibprogramm absolut sinnfreie Änderungen vor.

Weil sowohl ich als auch das Rechtschreibprogramm an manchen Stellen versagen, lasse ich besonders die wichtigen Texte vor der Veröffentlichung von professionellen Lektoren korrigieren. Das ist meistens nicht ganz günstig und auch für mich mit Arbeit und manchmal auch mit viel Demut verbunden. Denn wer möchte schon auf seine Fehler hingewiesen werden – besonders auf die peinlichen? Aber meine Lektoren machen das ganz behutsam. Doch eins steht fest: Auch sie können sich in ihrer Beurteilung irren. Das beruhigt und beunruhigt mich zugleich.

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Ich schließe meine Augen. Dann öffne ich sie wieder und schaue auf einen neuen Tag, der vor mir liegt. Dieser Tag wird gefüllt werden durch Sekunden, Minuten und schließlich Stunden. Inbegriffen ist das Gute, das Schlechte und alles, was dazwischenliegt. Das, was während des Tages alles passiert, wird zu einem Teil von dem bestimmt, was ich am Tag zuvor alles erlebt und erfahren habe. Von meinen Grundüberzeugungen, Abneigungen und Launen. Und natürlich von den aktuellen Tagesumständen.

Fehler, die ich im Laufe des Tages mache, kann ich am Ende des Tages nicht einfach wieder löschen und so tun, als wären sie niemals passiert. Doch halt: Für die eigenen Fehler ist man sowieso oft blind. Ansonsten würde man sie wohl in vielen Fällen erst gar nicht machen. Man weiß es eben nicht besser. Oder: Man möchte es eben nicht besser wissen und sucht nicht nach gutem Rat. Andere Fehler passieren im Stress. Auch diese Fehler fallen einem häufig selbst gar nicht auf. Deswegen weisen mich manche Menschen ungefragt auf sie hin. Doch mit ihrer Kritik und ihren Ratschlägen bin ich oft unzufrieden. Deshalb frage ich bewusst Menschen nach Rat, denen ich ein besseres Urteilsvermögen zutraue.

Ich mache jedoch auch Fehler, die selbst meine Ratgeber nicht als solche einschätzen. Fehler in meinem Umgang mit anderen, mir selbst oder mit Gott. Und manchmal schlagen mir diese Menschen sogar absolut sinnfreie Dinge vor.

Weil sowohl ich als auch andere Menschen an manchen Stellen versagen, lasse ich mich besonders bei den wichtigen Angelegenheiten von Gott korrigieren. Das ist meistens nicht ganz bequem, auch für mich mit Arbeit verbunden und manchmal auch mit Demut. Denn wer möchte schon auf seine Fehler hingewiesen werden – besonders auf die peinlichen? Aber Gott macht das ganz behutsam. Und eins steht fest: Er irrt sich niemals in seiner Beurteilung. Das beunruhigt und beruhigt mich zugleich.

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Theaterstück

Opas Schreibmaschinen

Ein Minidrama

Personen

Leonie, Schwester von Sandra, beste Freundin von Mira

Sandra, Schwester von Leonie

Mira, beste Freundin von Leonie

Zwei Zimmer zweier junger Frauen

Szene 1: Der erste Brief – Opas Schreibmaschinen

Beteiligte: Leonie, Mira

Requisiten: Tisch, Stuhl, Schreibmaschinenkoffer mit Schreibmaschine 1 darin, Handtasche für Mira, Granatapfel, unbeschriebene Blätter für Schreibmaschine, beschrifteter Briefumschlag, Mülleimer, Schokoriegel

Location Bühne 1: vom Zuschauerraum aus gesehen hinten, Tisch 45° nach links gedreht auf MM, Stuhl steht dahinter auf HL, unbeschriebene Blätter auf dem Tisch links, Schokoriegel auf dem Tisch rechts, Mülleimer unter dem Tisch, Briefumschlag liegt links oben auf dem Tisch

(Leonie kommt aus dem LOFF mit dem Schreibmaschinenkoffer, stellt den Koffer ab, macht den Koffer auf, holt die Maschine aus dem Koffer, schiebt den Koffer von sich weg, steckt Papier in die Schreibmaschine, nimmt den Schokoriegel, beißt ordentlich und genüsslich rein, kaut und setzt sich währenddessen auf den Stuhl, tippt in die Schreibmaschine.) 

Text vom Band aus dem OFF (mit Leonies Stimme). Liebe Sandra … 

LEONIE (hört mit dem Tippen auf, atmet einmal tief ein – und aus, nachdenklich). Na ja, ob ich dich wirklich so lieb finde …? (Jetzt ein wenig energischer.) Ob überhaupt irgendjemand jeden, den er mit „Liebe“ oder „Lieber“ anschreibt, auch wirklich lieb findet – das bezweifle ich doch irgendwie … (Tippt wieder.) 

Text vom Band aus dem OFF (mit Leonies Stimme). Da ich immer noch von Vater ein absolutes Computer- und Handyverbot habe und du meine Handschrift kaum lesen kannst, habe ich Opas alte Schreibmaschine ausgepackt, um dir diesen Brief zu schreiben. (Hört auf zu tippen.) 

LEONIE (ernst). Okay, genug Smalltalk. (Tippt.)

Text vom Band aus dem OFF (mit Leonies Stimme). In zwei Wochen ist ja schon Mamas dritter Todestag. Vergiss das bitte nicht. Vater könnte dir das nämlich sonst sehr übel nehmen. (Hört auf zu tippen.) 

LEONIE (bedeutungsschwer). Okay, das wäre wohl geschafft. (Atmet tief durch, spricht ins Ausatmen.) Nun zum eigentlichen Anliegen. (Rafft sich wieder auf, tippt.) 

Text vom Band aus dem OFF (mit Leonies Stimme). Sandra, ich möchte, dass du weißt, dass ich in letzter Zeit sehr viel nachgedacht habe: über dich und mich, über deinen Kuss mit Tim. Darüber, wie sehr ihr mir damit wehgetan habt, mich hintergangen habt. 

(Leonie hört auf zu tippen, lehnt sich zurück und legt den Kopf kurz in den Nacken, seufzt, setzt sich wieder normal hin, tippt.) 

Text vom Band aus dem OFF (mit Leonies Stimme). Und ich möchte dir sagen, dass ich zu dem Entschluss gekommen bin, (kurze Pause, Leonie hört auf zu tippen, atmet tief ein und aus, tippt weiter) dir zu vergeben. Ich vergebe dir von ganzem Herzen. Auch wenn meine Gefühle mich immer noch zerreißen, bist und bleibst du meine Schwester und ich liebe dich. Sandra, ich vergebe dir, dass du meinen Verlobten geküsst hast. (Leonie hört auf zu tippen, überlegt kurz, tippt weiter.) Eigentlich bin ich dir sogar dankbar dafür, denn der Kuss hat mich vor einer unglücklichen Ehe bewahrt. Also lass uns endlich das Kriegsbeil begraben und komm uns zu Mamas Todestag endlich besuchen. Vater wird sich freuen und ich möchte keinen Keil mehr zwischen ihn und dich treiben. In Liebe, deine Leonie. PS: Es tut mir wirklich leid, dass ich

(Es klopft.)

LEONIE (erschreckt sich, isst hektisch den Riegel zu Ende und wirft das Papier in den Mülleimer). Herein!

MIRA (betritt das Zimmer aus dem LOFF, bleibt auf MR stehen, hält hinter dem Rücken einen Granatapfel in der rechten Hand, über der rechten Schulter eine Handtasche). Hey Leonie, ich bin was früher da.

LEONIE (überrascht). Hi Mira, wie bist du denn hereingekommen?

MIRA. Dein Vater hat mich hereingelassen. Zwar etwas widerwillig, aber na ja, das ist ja zweitrangig. Wir standen praktisch gleichzeitig vor eurer Tür. Hier, ich habe dir was mitgebracht. (Reicht Leonie einen Granatapfel in die Hand.)

LEONIE. Äh, danke! (Steht auf, nimmt den Granatapfel an, lächelt unsicher.) 

MIRA (erklärend). Als Unterstützung für deine Essensumstellung. Ich finde es super, dass du dich jetzt gesünder ernähren möchtest.

LEONIE. Äh, ja … (Legt den Granatapfel auf den Tisch, sammelt sich etwas.) Läuft auch echt gut, muss ich sagen.

MIRA. Freut mich! (Entdeckt die Schreibmaschine, neugierig.) Ist das etwa die alte Schreibmaschine deines Opas? Cool! Was schreibst du denn damit?

LEONIE (ablenkend). Ach, äh … Was für mein Tagebuch. Ist nicht so wichtig. 

MIRA. Ach komm, zeig doch mal. Ich bin doch deine beste Freundin! (Geht auf MM.)

LEONIE (stellt gleichzeitig hastig die Schreibmaschine in den Schreibmaschinenkoffer, klappt den Koffer zu). Nee, ähm … Lass das bitte. Das ist privat. Wie gesagt, für mein Tagebuch. (Ablenkend.) Wie geht es deinem neuen Freund?

MIRA. Themenwechsel, interessant. (Kurze Pause.) Ich glaube, ganz gut. 

LEONIE. Du glaubst?!

MIRA. Ach, mich interessieren halt im Moment andere Dinge mehr als sein Wohlbefinden.

LEONIE. Ist irgendwas passiert?

MIRA. Nein, wieso?

LEONIE. Ja, aber dann … (Ernst.) Mira, liebst du ihn denn überhaupt?

MIRA. Lieben? Was heißt denn schon lieben? Sein Vater führt ein erfolgreiches Unternehmen. Und Dennis wird es einmal erben. Das ist doch mal ein überzeugender Grund für eine Beziehung! (Kurze Pause.) Außerdem wollen Frauen doch Liebe. Männer sehnen sich sowieso eher nach Respekt. Und den Respekt gebe ich ihm. Zumindest, wenn ich gerade bei ihm bin.

LEONIE. Ja, aber Männer wollen doch auch geliebt werden. 

MIRA. Du hast Tim auch geliebt, nicht wahr? (Leonie schaut traurig zu Boden.) Und, was hat es dir gebracht? (Kurze Pause.) Und jetzt lass mich mal lesen, was du da geschrieben hast auf deiner …

LEONIE (unterbricht). Und was sagst du Dennis, wenn er dich fragt, ob du ihn liebst?

MIRA (geht im Uhrzeigersinn um Leonie und den Tisch herum, spricht dabei theatralisch). Dann sage ich ihm natürlich, dass ich ihn über alles liebe. Dass er das Beste und Wichtigste in meinem Leben ist!

LEONIE (ernst). Aber das ist doch gelogen, Mira.

MIRA. Gelogen, hm? (Spöttisch.) Bist wohl der Überzeugung, dass Ehrlichkeit am längsten währt, nicht wahr?

LEONIE. Ja, definitiv. 

MIRA. Deine Ehrlichkeit hat dir bei deinem Tim auch nicht viel gebracht. 

LEONIE (verletzt). Mira, du bist meine beste Freundin. Aber manchmal, da sagst du echt gemeine Dinge … 

MIRA (uneinsichtig, anklagend). Ach, auf einmal ist dir die Wahrheit doch nicht mehr so recht, hm?! 

LEONIE (ernst). Und manchmal, da machst du mir sogar ein wenig Angst.

MIRA (anklagend). Ich mache dir Angst?!

LEONIE. Ja, manchmal bin ich mir nicht sicher, ob du mir gegenüber ehrlich bist. Zu vielen bist du es ja eben nicht … (Blick geht betrübt zu Boden.)

MIRA (versöhnlich). Bei dir ist es was anderes. Du bist mir wirklich wichtig. Du bist für mich wie … eine Schwester. 

LEONIE. Ja, du doch auch für mich, aber …

MIRA (unterbricht). Was, aber?! Ich bin ja wohl viel eher eine Schwester für dich als Sandra. Nicht immer ist Blut dicker als Wasser! (Kurze Pause, süffisant.) Ich feiere es immer noch, wie wir sie in den sozialen Medien fertiggemacht haben, diese hinterhältige Schlange! (Schadenfroh, fast fröhlich.) Okay, du hast jetzt zwar seit zwei Wochen Computer- und Smartphoneverbot von deinem Vater dafür auferlegt bekommen, aber komm schon: Das hat sich total gelohnt! Jetzt wissen alle, dass sie eine miese kleine Schla …

LEONIE (unterbricht). Mira, das ist sie nicht!

MIRA (verdattert). Was?! Wie meinst du das? Was ist passiert, seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben? Gibt es da etwas, wovon ich nichts weiß?

LEONIE. Mira, schau … (Etwas beschämt.) Es tut mir leid, ich habe dir eben nicht ganz die Wahrheit gesagt. Ich schreibe … ja, ich habe eben nicht an meinem Tagebuch geschrieben, sondern einen Brief an Sandra, einen Versöhnungsbrief …

MIRA (völlig außer sich). Einen was?! Und ausgerechnet du wirfst mir Unehrlichkeit vor?! Dass ich nicht lache! 

LEONIE. Das ist doch was anderes!

MIRA. Nein, ist es nicht!

LEONIE. Aber sie ist doch meine Schwester! Ich kann ihr doch nicht ewig böse sein.

MIRA. Doch, das kannst du!!! (Pause.) Was steht denn so in deinem Briefchen?! (Will über MH um den Tisch herumgehen.)

LEONIE („stoppt“ Mira mit ihrem ausgestrecktem Arm auf HM, Leonie denkt kurz nach, atmet einmal ein und aus). Okay … (Klappt den Koffer auf, holt die Schreibmaschine heraus, stellt den Koffer unter den Tisch.) Lass mich kurz nur noch den Satz zu Ende schreiben. (Tippt 4 Sekunden, nimmt das Blatt aus der Schreibmaschine und gibt es Mira.)

(Mira geht mit dem Brief nach VR, steht mit dem Rücken zu Leonie und „liest“ den Brief leise, wütender Blick.)

LEONIE (vorsichtig). Und … was sagst du?

MIRA (setzt schlagartig ein falsches Lächeln auf). Das hast du gut geschrieben. (Pause.) Und du hast ja auch recht. Ich möchte dich bei deinem Vorhaben so gut ich nur kann unterstützen. (Fieser Blick in Richtung Publikum.)

LEONIE (verwundert). Woher der Sinneswandel?

MIRA. Ach, ähm … (geht auf MR) dein Brief hat mich überzeugt!

LEONIE (misstrauisch). Mira, ich weiß gerade nicht, ob ich dir wirklich glauben kann.

MIRA (versöhnlich). Doch, natürlich kannst du das! Und ich werde es dir beweisen!

LEONIE. Und wie willst du es mir beweisen? 

MIRA. Indem ich dich unterstütze. Ich werde den Brief sogar für dich wegschicken.

LEONIE. Das würdest du für mich tun?!

MIRA. Ja, klar. Du bist doch meine beste Freundin! Ich würde alles für dich tun!

LEONIE. Danke! (Erschreckt sich.) Huch! Ich hatte ganz vergessen: Ich sollte doch meinem Vater gleich beim Kartoffelschälen helfen. Eigentlich hättest du ja auch erst nach dem Essen kommen sollen. Ist es okay für dich, hier auf mich zu warten? Bin in ein paar Minuten wieder da. 

MIRA. Ja, klar. Kein Problem. Ich freue mich schon aufs Essen. Vielleicht empfindet dein Vater es diesmal als okay, wenn ich mitesse. Ich bereite deinen Brief so lange schon mal vor.

LEONIE. Danke, Briefumschlag liegt auf dem Tisch. Bis gleich. (Geht ins LOFF.)

MIRA (freundlich). Ja, bis gleich. (Schaut Leonie hinterher, bis sie weg ist, dann in fiesem Ton.) Mal sehen, was sich machen lässt. (Nimmt den Brief, schüttelt angeekelt den Kopf, zerknüllt den Brief und steckt ihn sich in die Handtasche, setzt sich an die Schreibmaschine.) Gut, dass ich mal einen Schreibmaschinenkurs besucht habe. (Grinst zwielichtig, tippt los.)

Text vom Band aus dem OFF (abfällig, spöttisch, mit Miras Stimme). Sandra, Schwesterherz. Ich schreibe dir diesen Brief auf der Schreibmaschine, weil ich deinetwegen, meine Liebe, immer noch Internetverbot habe und du zu blöd dafür bist, meine Handschrift zu lesen. Dieser Brief ist alles andere als ein Versöhnungsbrief. Denn, machen wir uns nichts vor, du bist und bleibst ein Miststück! Aber eigentlich mag ich dich noch ganz gerne. Aber eher weniger als meine Schwester, sondern eher mehr als eine Fremde in der Ferne, eine böse Erinnerung aus der Vergangenheit

(Weiter Tippgeräusche vom Band für ca. 6 Sekunden, Mira tippt so lange noch. Dann nimmt sie den Brief vorsichtig aus der Schreibmaschine und steckt ihn in den Briefumschlag.)

LEONIE (kommt rein, als Mira gerade den Brief zumacht). Mira, komm, die Kartoffeln sind im Topf. Wir können schon mal hinuntergehen …

MIRA (hastig). Äh, hör mal Leonie. Meine Oma hat eben angerufen. Der gehts wieder nicht so gut. Ich muss schnell zu ihr. Aber auf dem Weg dorthin ist bestimmt ein Briefkasten. Da kann ich den Brief ja reinwerfen. (Geht los Richtung LOFF, will an Leonie vorbei.)

LEONIE (hält sie auf, steht Mira jetzt gegenüber, verwundert). Okay, … Äh, Mira, warte doch mal. Ist es ernst mit deiner Oma?

MIRA. Was? Ach so, nein, nein. Ich muss nur ein Medikament für sie besorgen, bevor die Apotheke zumacht.

LEONIE. Ah, okay. Und … hast du denn überhaupt eine Briefmarke?

MIRA. Ja, ja. In meiner Handtasche. (Geht etwas unsicher links an Leonie vorbei.)

LEONIE. Okay, vielen Dank dir! Und eine gute Besserung!

MIRA (schaut verwirrt zurück). Was meinst du?

LEONIE (betont). Deiner Oma, Mira. lch wünsche ihr eine gute Besserung.

MIRA. Ach so, ja. Danke. (Will sichtbar weg.)

LEONIE. Aber warte doch noch kurz im Flur auf mich. Ich brauche nur noch einen kurzen Moment hier.

MIRA (etwas verwirrt und nervös). Äh, wieso? Wieso soll ich auf dich warten? Willst du etwa doch mitkommen …?

LEONIE. Nein, ich will nicht mitkommen. Das Essen kocht doch. Schon vergessen? Ich will dir unten noch was geben und dich knuddeln.

MIRA (sichtlich erleichtert, versucht zu lachen). Ach so. Ja, klar! Bis gleich im Flur. (Geht ins LOFF.)

(Leonie stellt sicher, dass Mira weg ist, nimmt den Granatapfel in die Hand, hält ihn hoch, schüttelt den Kopf, wirft den Granatapfel keck in den Mülleimer und geht ins LOFF ab.)

Opas Schreibmaschinen

Szene 2: Sandra – Opas Schreibmaschinen

Beteiligte: Sandra

Requisiten: Tisch, Stuhl, Schreibmaschinenkoffer mit Schreibmaschine 2 und unbeschriebenen Blättern drin, Brief im beschrifteten Briefumschlag

Location Bühne 2: vom Zuschauerraum aus gesehen vorn, auf Zuschauerebene, Tisch steht auf MM, Stuhl dahinter Richtung HM, ungeöffneter Briefumschlag liegt in der Mitte des Tisches

SANDRA (geht nervös im Raum hin und her, schaut immer wieder zu dem ungeöffneten Briefumschlag, atmet tief ein). Na gut. (Geht zum Tisch, nimmt den Briefumschlag, stellt sich nervös auf HM, öffnet den Briefumschlag nervös, „liest“ leise den Brief, der sich darin befindet.) 

Text vom Band aus dem OFF (mit Sandras Stimme). Sandra, Schwesterherz. Ich schreibe dir diesen Brief auf der Schreibmaschine …

Text vom Band aus dem OFF (spöttisch, scharf, abfällig, mit Leonies Stimme).weil ich deinetwegen, meine Liebe, immer noch Internetverbot habe und du zu blöd dafür bist, meine Handschrift zu lesen. Es ist alles andere als ein Versöhnungsbrief. Denn, machen wir uns nichts vor, du bist und bleibst ein Miststück! (Sandra wendet sich kurz, aber sichtlich verletzt vom Brief weg, liest dann weiter.) Aber eigentlich mag ich dich noch ganz gerne. Aber eher weniger als meine Schwester, sondern eher mehr als eine Fremde in der Ferne, eine böse Erinnerung aus der Vergangenheit. Ich bin froh und glücklich, dass dich Vater ins Internat gesteckt hat. Das hast du echt verdient. (Sandras Augen beginnen zu tränen, sie muss schluchzen, reagiert während des Weiterlesens immer emotionaler und wütender und es kommen immer mehr Tränen.) Ich hoffe, dir gehts echt mies und du kommst da nie wieder raus! Und wage es ja nicht, am Todestag unserer Mutter hier aufzutauchen! Du bist eine Schande für die ganze Familie und ich werde dir niemals vergeben! PS: Ich habe keine Schwester mehr!

(Sandra bricht zusammen, weint, schluchzt verzweifelt, beruhigt sich nach einer Weile ein wenig, geht ins LOFF, kommt aus dem LOFF mit einem Koffer wieder. Stellt den Koffer auf den Tisch, öffnet den Koffer, holt eine Schreibmaschine aus dem Koffer und stellt diese auf den Tisch, holt ein Blatt aus dem Koffer hervor und legt es auf den Tisch, stellt den Koffer unter den Tisch, setzt sich auf den Stuhl, steckt das Blatt in die Schreibmaschine und tippt los.) 

Text vom Band aus dem OFF (mit Sandras Stimme). Liebe Leonie, ich schreib dir ebenfalls auf einer von Opas Schreibmaschinen, denn ich weiß, dass meine Handschrift, genauso wie deine, vollkommen unleserlich ist. Leonie, ich weiß, dass furchtbare Dinge zwischen uns vorgefallen sind. Ich habe dich verletzt und du hast mich verletzt. Aber wir sind doch trotzdem noch Schwestern. Das mit Tim tut mir wirklich so schrecklich leid! Bitte glaub mir doch endlich, dass nicht ich ihn, sondern er mich geküsst hat. Ja, ich habe den Kuss zugelassen, habe ihn nicht von mir gestoßen. Das hätte ich sicherlich tun sollen. Bitte vergib mir dafür. Auch ich möchte dir vergeben, für dein Mobbing in den sozialen Medien und auch für den … (Kurze Pause.) 

SANDRA (schreit). NEIN, FÜR DIESEN BRIEF WERDE ICH DIR NIEMALS VERGEBEN! (Reißt wütend das Blatt aus der Schreibmaschine raus, nimmt sich ein neues Blatt aus dem Koffer, steckt es in die Schreibmaschine und tippt wütend drauflos.)

Text vom Band aus dem OFF (mit Sandras Stimme). Hey, Schwesterherz, vielen Dank für deinen Brief! Wirklich, ich danke dir von Herzen. Denn er hat mir wieder einmal neu deine Dummheit offenbart. Du bist ein furchtbarer Mensch und ich sitze deinetwegen in diesem Internat fest! Das werde ich dir niemals verzeihen. Genauso wenig wie deine Mobbingaktion in den sozialen Medien. Und ganz sicherlich auch nicht deinen letzten Brief! Übrigens: Tim und ich haben den Kuss richtig genossen und ich bin froh, dass es dazu kam. Ich hasse dich! Deine Ex-Schwester Sandra. PS: Tim hat mir nach unserem leidenschaftlichen Kuss ins Ohr geflüstert, dass ich schon immer diejenige war, die er haben wollte. Du bist immer nur sein Notnagel gewesen. 

(Sandra nimmt das Blatt aus der Schreibmaschine raus, geht auf VR „überfliegt“ ihn traurig, fängt an zu weinen und läuft mit dem Blatt in der Hand ins LOFF.)

Opas Schreibmaschinen

Szene 3: Das Ende – Opas Schreibmaschinen

Beteiligte: Leonie, Mira, Sandra

Requisiten: 2 Tische, 2 Stühle, Schreibmaschine 1+2 auf den jeweiligen Tischen, unbeschriebene Blätter, 1 beschriebenes Blatt, 2 beschriebene Blätter in beschrifteten Briefumschlägen, 1 beschrifteter Briefumschlag, 2 Mülleimer

Location Bühne 1: Tisch auf MM, Stuhl steht etwas links zum Tisch in Richtung Publikum gedreht, Schreibmaschine im Koffer auf dem Tisch, Mülleimer unter dem Tisch, unbeschriebene Blätter auf Tisch links oben

Location Bühne 2: Tisch auf MM, Stuhl dahinter Richtung HM, Schreibmaschinenkoffer mit unbeschriebenen Blättern unter dem Tisch, Schreibmaschine auf dem Tisch, Mülleimer unter dem Tisch

! Bühne 1:

(Leonie und Mira kommen aus dem LOFF. Leonie zuerst, sie hat ein beschriebenes Blatt in ihrer Hand und schaut traurig. Mira dagegen hat ein schadenfrohes Grinsen auf den Lippen, das sie versucht zu verstecken. Leonie setzt sich mit apathischem Blick auf den Stuhl, mit Blick zum Publikum, und hält das Blatt im Schoß. Mira stellt sich rechts neben sie und legt ihre linke Hand auf Leonies rechte Schulter, beide schweigen einige Sekunden.)

LEONIE (unsicher). Mira?

MIRA (scheinheilig behutsam). Ja, Leonie?

LEONIE (schaut die ganze Zeit ins Publikum, spricht leise). Ich … ich weiß nicht, was ich sagen soll … Ich weiß auch nicht, was ich jetzt machen soll. Ich weiß es einfach nicht.

MIRA. Das verstehe ich. Das ist natürlich jetzt ein Schock für dich. Ich wüsste an deiner Stelle auch nicht, was zu tun ist.

LEONIE (dreht ihren Kopf zu Mira). Und wenn du nicht an meiner Stelle wärst?

MIRA (leicht verunsichert). Was meinst du?

LEONIE (dreht den Kopf wieder in Richtung des Publikums). Du sagst, wenn du an meiner Stelle wärst. Du bist aber nicht an meiner Stelle. Was würdest du denn machen, wenn du nicht an meiner Stelle wärst – was du ja nicht bist? Was würdest du machen, wenn du deiner Schwester einen Versöhnungsbrief schreibst und sie dir so darauf antwortet?

MIRA (nimmt den Arm von Leonies Schulter weg). Ich würde es der blöden Kuh so richtig zeigen!

LEONIE (leicht apathisch). Und wie?

MIRA (in fiesem Ton). Mit einem „netten“ Brief! Einem Brief voller Anklagen und Lügen! Über sie und darüber, was andere Menschen über sie so sagen. Fiese Dinge eben …

LEONIE (gleichgültig). Okay … (Legt den Brief auf den Tisch, dreht den Stuhl zum Tisch, nimmt ein unbeschriebenes Blatt vom Tisch und steckt es in die Schreibmaschine, tippt.)

(Tippgeräusche vom Band aus dem OFF. Mira steht mit verschränkten Armen links von Leonie und schaut mit einem fiesen, selbstzufriedenen Blick auf die Schreibmaschine. Leonie hört mit dem Tippen auf, nimmt das Blatt aus der Schreibmaschine und gibt es Mira. Mira geht damit ins LOFF, Leonie erstarrt. Ab hier wird es surreal!)

! Bühne 2:

(Sandra kommt aus dem LOFF mit einem Briefumschlag in der Hand, stellt sich auf HL, öffnet ihn und liest den Brief, der sich darin befindet, leise, zerknüllt den Brief wütend und wirft ihn in den Mülleimer, holt ein unbeschriebenes Blatt aus dem Koffer, setzt sich an die Schreibmaschine, tippt, ab hier Tippgeräusche vom Band aus dem OFF bis zum Ende des Stückes als „Hintergrundmusik“!)

! Bühne 1:

(Mira kommt mit einem neuen verschlossenen Briefumschlag wieder aus dem LOFF, Mira öffnet den Briefumschlag und gibt den Brief, der sich darin befindet, an Leonie. Leonie „liest“ ihn, ärgert sich, zerknüllt den Brief, wirft ihn auf den Boden, nimmt ein neues unbeschriebenes Blatt vom Tisch, steckt das Blatt in die Schreibmaschine, fängt wieder an zu tippen.)

! Bühne 2: 

(Sandra nimmt den Brief aus der Schreibmaschine, geht damit ins LOFF, kommt mit einem beschrifteten Briefumschlag wieder, stellt sich auf VM, schaut den Umschlag nachdenklich an, zerreißt ihn und wirft die Stücke in den Mülleimer, packt die Schreibmaschine in den Koffer, geht traurig mit dem Koffer ins LOFF.)

! Bühne 1: 

(Leonie hört mit dem Tippen auf, nimmt das Blatt aus der Schreibmaschine und gibt es Mira, Mira geht mit dem Blatt ins LOFF, Leonie packt die Schreibmaschine in den Koffer und geht damit enttäuscht ins LOFF.)

Ende

“Opas Schreibmaschinen” ist inspiriert durch Sprüche 6,16-19. Die Uraufführung fand am 13.02.2022 in der “Gospel Church Köln” statt. Die Rechte für eine Aufführung durch Dritte und das Technikskript können bei mir für einen symbolischen Betrag erworben werben.

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Biografie

Der Spaziergang: Und es geht (k)einen Schritt weiter

Photo by Amirhosain Gazor on Unsplash.

Es folgt eine Textprobe aus einer Biografie eines Privatkunden. Alle Namen wurden geändert.

Winter 1972: Wolfgang und Elisabeth sitzen in einem kleinen, hübschen Café in Hückeswagen. Sie waren 1972 hier in die Nähe von Elisabeths Eltern gezogen. Beide sind angespannt. Der Grund für ihre Aufregung sind die Gäste, auf die sie gerade warten: Vera und ihr Ehemann, der ebenfalls Wolfgang heißt. Wolfgang Meyer hatte die beiden eingeladen. Wobei die Idee, sie einzuladen, von Elisabeth kam. Sie wollte „diese Vera“ einfach mal besser kennenlernen – so zumindest Elisabeths Aussage. Die Frau, von der sie wusste, dass Wolfgang sie bald für sie verlassen wird, obwohl sie ein schwerbehindertes Kind zusammen haben.

Markus hatte bei seiner Geburt die Nabelschnur um den Hals und ist wegen des Sauerstoffmangels nun mehrfachbehindert. Von einer dauerhaften Behinderung war kurz nach der Geburt jedoch noch nicht die Rede. Es hatte sich nach und nach langsam herausgestellt, dass Markus in seiner Entwicklung stark verzögert ist. Die Ärzte betonten aber, dass man durch moderne physiologische Methoden noch alles erreichen könne. Es ist wohl eine grundsätzliche Einstellung von Ärzten, dass sich alles noch verbessern lässt. Das Gegenteil wird von ihnen so lange beiseite geschoben, bis es nicht mehr geleugnet werden kann – davon ist Wolfgang überzeugt …

Wie stark Markus gesundheitliche Einschränkungen sind, das hatte sich in den letzten Monaten deutlich gezeigt: Der Junge hatte einfach nichts dazugelernt. Keine Bewegungen, gar nichts. Auch jetzt noch kann er weder sitzen noch krabbeln, muss deshalb ständig getragen werden. Elisabeth und Wolfgang hatten alles in ihrer Macht Stehende versucht, um Markus eine koordinative Entwicklung zu ermöglichen. Doch nichts hat sie näher an das gewünschte Ziel gebracht. Weder die zahlreichen Trainings in speziellen Institutionen, wie zum Beispiel in München, noch die alltäglichen Übungen zu Hause. Was noch erschwerend dazukam, war seine große Anfälligkeit für Krankheiten. Ständig wurde der Junge krank, hatte jedes kleinste Zipperlein abbekommen. Sein junges Leben war von Krankenhausaufenthalten geprägt. Mal wegen eines Leistenbruchs, mehrmals wegen Lungenentzündung. Nach jedem Krankenhausaufenthalt waren die kleinen Fortschritte, die er nach Wochen der Durchführung der Bobath’schen Übungen machte, wieder verschwunden. Irgendwann meinten die Ärzte auch, dass der Hirnschaden bei Markus sicherlich früher oder später die sogenannten Blitz-Nick-Salaam-Krämpfe verursachen würde, eine seltene und sehr ernst zu nehmende Säuglings-Epilepsie.

Der gesundheitliche Zustand von Markus sorgte bei Wolfgang für ein noch größeres schlechtes Gewissen, wenn er immer wieder an Trennung dachte. Und daran, dass er doch viel lieber mit seiner Vera zusammen wäre. Aber er konnte Elisabeth doch nicht mit einem schwer kranken Kind im Stich lassen! Doch trotz seines schlechten Gewissens waren Wolfgang und Elisabeth als Paar nicht zusammengewachsen in all ihren gemeinsamen Schwierigkeiten – ganz im Gegenteil: Sie stritten umso mehr. Deshalb der Beschluss zur Trennung. Und zum gemeinsamen Treffen mit Vera und ihrem Ehemann.

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Sie sind da. Wolfram und Elke stehen auf, um sie mit einem Händeschütteln zu begrüßen. Höflich – fast aufgesetzt freundlich –, und damit auch vorsichtig distanziert fällt die Begrüßung aus. Eine seltsame Situation. Es liegt Spannung in der Luft. Die Bedienung kommt. Wolfgang bestellt sich einen Cappuccino und ein Wasser, Vera einen Kakao. Die anderen beiden jeweils einen Kaffee. Die vier unterhalten sich über Belanglosigkeiten. „Leckerer Kaffee“, meint Veras Mann. „Der Kakao ist auch nicht schlecht“, erwidert Vera.

Es ist nicht das erste Mal, dass Vera Wolfgang besucht. Nach der Geburt von Markus hatte er den Kontakt zu ihr zwar nicht abgebrochen, aber zumindest gemieden. So sehr hatte ihn damals die Behinderung seines Sohnes aus der Bahn geworfen. Immer, wenn Vera versucht hatte, ihn anzurufen, war er nicht ans Telefon gegangen und hatte auch nicht zurückgerufen. Deshalb stand Vera eines Tages einfach so vor Wolfgangs Tür. Elisabeth war gerade nicht da. Sie war arbeiten. Wolfgang hatte sich sehr gefreut, Vera wiederzusehen. Sie hatten sich ja quasi von April bis Herbst 1972 nicht gesehen. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb war dieses erste Aufeinandertreffen irgendwie krampfhaft. Sie hatten darüber gesprochen, wann Wolfgang sich denn endlich von Elisabeth trennen würde. Wolfgang hatte sich herausgeredet, wollte sich nicht festlegen. Dann hatten sie sich innig geküsst und anschließend miteinander geschlafen. Beim Abschied hatte Wolfgang Vera versprochen, dass er sich bei ihr melden würde. Das hatte er dann auch nach einer ganzen Weile getan. Eben an dem Tag, als er gemerkt hatte, dass er es endgültig nicht mehr mit Elisabeth aushält. Wolfgang war sich eigentlich sehr sicher gewesen, dass er von Vera eine Abfuhr bekommen würde. Doch die bekam er nicht, als er sie anrief. Nach einigen mehr oder weniger heimlichen Treffen zu zweit, sitzen Wolfgang und Vera nun mit ihren jeweiligen Ehepartnern in diesem kleinen Café in Hückeswagen.

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Ihre Getränke sind mittlerweile leer, Wolfgangs zweite Zigarette ist zu Ende geraucht. Zu viert machen sie sich zu einem Spaziergang auf. „Welche Route sollen wir nehmen?“, fragt Wolfgang. Elisabeth antwortet: „Vielleicht erst mal die Straße hier hoch und dann rechts abbiegen. Der Weg eignet sich besonders gut zum Spazieren!“ „Wirklich schönes Wetter heute“, wirft Vera ein. Sie gehen den von Elisabeth vorgeschlagenen Weg. Weitere Belanglosigkeiten werden ausgetauscht. Niemand spricht den Elefanten im Raum an. Allen sind aber die neuen Verhältnisse bewusst, auf die sie sich demnächst einstellen müssen. Wobei es Veras Mann tatsächlich erst jetzt zu dämmern scheint, dass Vera eine Affäre mit Wolfgang hat. Seiner Reaktion nach scheint es ihm aber auch nicht allzu weh zu tun. Zumindest trägt er es mit Fassung. Über die Ehe von ihm und Vera weiß Wolfgang, dass die beiden sich zwar nur selten streiten, dafür aber sonst nicht viel miteinander am Hut haben. Jeder führt so sein Leben parallel zum anderen. Die vier kommen am Auto von Vera und ihrem Mann an, womit der Spaziergang beendet ist. Die beiden verabschieden sich, steigen ins Auto und fahren davon, ohne etwas Gehaltvolles mit Wolfgang und Elisabeth besprochen zu haben.

Wolfgang und Elisabeth winken noch kurz freundlich und gehen dann schweigend nebeneinander nach Hause.

Wieder zu Hause angekommen, ist Wolfgang müde. Müde von Elisabeths langem Vortrag, den sie gerade darüber hält, wie blöd und unsympathisch Vera sei. Er geht aus dem Wohnzimmer ins Schlafzimmer, um von Elisabeth wegzukommen. Elisabeth läuft ihm hinterher. Sie redet weiterhin auf ihn ein: „Die passt nicht zu dir! Ich weiß gar nicht, was du an dieser seltsamen Frau findest! Wir passen doch viel besser zusammen. Komm, uns geht es doch prima zusammen. Und das mit den kleinen Streitereien kriegen wir auch noch hin … Wolfgang, du kannst nicht gehen! Wir haben schließlich ein schwerbehindertes Kind zusammen! Markus braucht Mutter und Vater!“

Vor dem Treffen mit Vera und ihrem Mann hatte Elisabeth ihm glaubhaft erklärt, dass sie die bevorstehende Trennung akzeptieren würde und es sogar gut und richtig findet, sich voneinander zu trennen. Dementsprechend hatte sie sich auch verhalten. Wolfgang hatte ihr geglaubt, ihr ihr Schauspiel abgenommen. Bis zu diesem Tag hatte Elisabeth jedoch auch nicht gewusst, dass sich Wolfgang nach der Trennung sofort mit Vera zusammentun würde. Das war ihr erst jetzt klar geworden. Wolfgang versteht nun ebenfalls gerade, dass Elisabeth nicht bereit ist, ihn loszulassen. Er spürt, dass die Trennungszeit wahrscheinlich doch nicht so leicht verlaufen wird, wie er es sich erhoffte. Er will jedoch weg von Elisabeth. Ganz dringend. Wolfgang schnappt sich seine Jacke und geht einmal um den Block.

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Interviews

Die O’Bros im Interview

Egal ob auf Konzerten, Festivals oder Jugendgottesdiensten: Die O’Bros heizen immer maximal ein und stellen dennoch Gott in den Mittelpunkt. Die christlichen Hip-Hop-Künstler Alex und Maxi sprechen über ihre größten Leidenschaften: Glaube und Musik. Dieses Interview ist zuerst in der Jugendzeitschrift PUR erschienen.

Die O’Bros: Alex (links) und Maxi (rechts).

Hi ihr beiden! Wie hat das bei euch mit der Musik angefangen? Und seid ihr eigentlich „Fulltime-Rapper“?

Maxi: Wir machen Musik, seitdem wir sechs und sieben Jahre alt sind. Als Kinder und Jugendliche waren wir in vielen Bands und haben auch in der Gemeinde viel Musik gemacht. Mit dem Rappen angefangen haben wir mit zwölf. Wenn wir Lieder geschrieben haben, dann auch mit christlichem Hintergrund. Es waren Lieder über unseren Glauben und was wir mit Gott erleben.

Alex: Als Kind habe ich Schlagzeug gespielt und Maxi Klavier. Unser Vater leitete früher eine Kinder-Lobpreis-Band in der Gemeinde, in der wir immer fleißig am Start waren. In unserer Jugend haben wir in Rock- und Jazzbands gespielt, mit Chören und Orchestern. Aber Rap ist eben das, was uns am meisten Spaß macht. Wir sind keine Fulltime-Rapper, sondern haben Rap immer neben der Schule gemacht und jetzt neben dem Studium. Ich studiere BWL und Maxi Zahnmedizin.

Studium und Rap-Karriere – das hört sich ziemlich stressig an. 

Alex: Stressig ist nur das, was einen stressen lässt. Es ist immer eine Entscheidung, wovon ich mich stressen lasse und wovon nicht. Alles andere ist eine Prioritätensetzung. Mir hat Gott gezeigt, dass alles einen richtigen Zeitpunkt hat. Es gibt Phasen, in denen ich mich auf mein Studium konzentriere, und Phasen, in denen ich mich auf die O’Bros konzentriere. Manchmal geht beides gut nebeneinander her.

Wen möchtet ihr mit eurer Musik erreichen?

Maxi: Vor allem junge Menschen, in unserem Alter und jünger. Aber unsere Zielgruppe sind nicht nur Teenager, sondern auch ganz klar junge Erwachsene. Und vor allem Christen, denn unsere Vision war von vorneherein, Christen zu ermutigen, sich noch mehr auf Gott einzulassen und ihm zu vertrauen.

Ihr habt mal gesagt: „Wenn wir keine Christen wären, würden wir trotzdem noch rappen.“ Wie würde eure Musik dann klingen? Welchen Inhalt hätten eure Texte?

Maxi: Ich glaube, wir würden über das rappen, was uns am meisten bewegt. Wenn wir Jesus nicht kennen würden, wären das Themen wie Beziehungsstruggles und andere private Dinge. Doch Jesus prägt unsere Sicht auf die Welt und uns selbst. Weil er für uns ans Kreuz gegangen ist, geht es in unseren Texten um ihn. Die Musik selbst würde wahrscheinlich nicht anders klingen.

Die Brüder heizen dem Publikum ein.

Wieso glaubt ihr eigentlich an Jesus?

Alex: Ich finde, das Attraktive an Jesus ist, wie er mit Menschen umgegangen ist: Er hat die Verstoßenen aufgesucht, sie geheilt und ihnen gezeigt, dass sie wertvoll sind. Er hat nicht einfach eine neue Religion gebracht, sondern ist interessiert an einer Herz-zu-Herz-Beziehung mit uns Menschen. Deshalb liebe ich Jesus!

Habt ihr eine Lieblingsbibelstelle?

Alex: Bei mir gibt es immer Phasen, in denen ich bestimmte Bibelstellen mehr feiern kann als andere. Im Moment gefällt mir Micha 7,7 besonders gut.

Maxi: Wir sind christlich aufgewachsen und damit auch mit dem Bibellesen.

Heute ist das Bibellesen ein wesentlicher Bestandteil unseres täglichen Alltags. Doch leider habe ich tatsächlich jahrelang diese Zeit vernachlässigt und hatte deshalb ein schlechtes Gewissen. Inzwischen habe ich diesen Schatz wiederentdeckt. Ich nehme mir jeden Tag Zeit, Jesus in mein Leben sprechen zu lassen. Ich will ihn nicht nur damit volltexten, was mich interessiert. 

Wie geht ihr denn mit Zweifeln um?

Maxi: Zweifeln gehört zum Glauben in gewisser Weise dazu. Zweifel trennen häufig Falsches vom Wahren. An manchen Punkten habe ich an Gott gezweifelt, aber nie an seiner Existenz. Dafür habe ich viel zu viel mit ihm erlebt. Dass ich in diesen Zeiten, in denen ich ihn nicht gespürt habe, trotzdem an ihm drangeblieben bin, das waren die besten Entscheidungen meines Lebens.

Alex: Ich nenne meine Zweifel immer beim Namen. Wenn ich merke, dass ich etwas nicht glauben kann, was in der Bibel steht oder was Gott mir versprochen hat, sage ich das zuerst einmal Gott. Ich frage ihn, was er dazu sagt, und ich schütte ihm mein Herz aus – dabei bin ich zu 100 Prozent ehrlich – und ich bitte ihn, mein Herz zu verändern. Ich möchte Gottes Wahrheit in meinem Herzen haben. Empfehlenswert ist es auch, mit seinen Zweifeln zu guten, gläubigen Freunden zu gehen.

Auf welche Frage(n) sucht ihr immer noch nach einer Antwort?

Maxi: Wie ist das mit der Heilung? Die Bibel sagt, dass wir durch Jesus’ Wunden geheilt sind. Aber wenn ich krank bin und keine Heilung erlebe – heißt das dann, dass ich nicht richtig glaube? Ich bitte Gott oft darum, mir da seine Wahrheit zu zeigen.

Alex: Ich frage mich: Wie ist auf dieser Welt das Mächteverhältnis? Wem gehört die Welt: Gott oder dem Feind? Gott ist allmächtig und der Herrscher der Welt – aber wenn ich mich mit der geistlichen Welt und Dämonen beschäftige, frage ich mich, wer hier das Sagen hat …

Was ist euer Lebensmotto?

Maxi: Haben Leute heutzutage noch ein Lebensmotto? Also in der Bio meines privaten Instagram-Accounts steht: ‚If what I treasure the most, can never be taken away from me, than what do I have to fear?‘

Alex: Ich habe auch kein Lebensmotto, aber in meinem WhatsApp-Status steht: ‚The sky is not the limit!‘

Wieder zurück zur Musik: Wie entsteht eigentlich ein Song bei euch?

Maxi: Zuerst brauchen wir eine Inspiration, eine Idee. Das kann ein Thema sein, das uns beschäftigt, eine Offenbarung, die Gott uns gegeben hat, ein Song, den wir kennen, oder musikalische Elemente daraus. Dann setzen wir uns an den Beat. Ich schreibe meistens zuerst die melodischen Parts und anschließend kommen die Drums darauf. Alex macht das eher andersherum. Danach schreiben wir darauf einen Text.

Alex: Wir haben eine App auf unseren Smartphones, wo wir unsere Textideen aufschreiben, die mitten im Alltag kommen, in der U-Bahn, beim Einschlafen. Es ist wichtig solche ‚Fetzen‘ sofort aufzuschreiben, um sie nicht zu vergessen. Die verwenden wir bei unseren Texten. Das Gleiche gilt für die Melodien.

Die O’Bros schreiben ihre Songs alle selber.

Was würdet ihr jemandem raten, der beruflich Musik für und über Gott machen möchte?

Maxi: Frag Gott, ob er das überhaupt von dir möchte. Und frag dich: „Wofür brenne ich? Was würde ich stundenlang machen, ohne Geld dafür zu kriegen? Worin bin ich eigentlich besser als andere?“ Wenn du diesen Punkt gefunden hast, gibt es zwei Säulen: deine Skills und deinen Charakter. Übe das, was du gut kannst, und werde darin noch besser. Schau auch, welche Charakter-Defizite du hast und vertraue sie Jesus an. Denn die Wurzel jedes Dienstes liegt nicht in deinen Skills, sondern in deinem Charakter. 

Mit welchen Stars würdet ihr gerne mal zusammenarbeiten?

Alex: Ich würde gerne mal ein Konzert spielen mit Rap-Künstlern, die gar nicht in der christlichen Szene unterwegs sind.

Maxi: Auf Sido hätte ich richtig Bock.

Alex: Oder Seeed! Eine Ehre wäre auch Xavier Naidoo. Davon haben wir schon als Kids geträumt. Er ist schon immer ein musikalisches Vorbild für uns gewesen. Das letzte Album haben wir sogar in Mannheim im Studio von Xavier Naidoo aufgenommen. 

Hättet ihr mit der Musik auch ohne Erfolg weitergemacht?

Alex: Ja, aber nicht in dem Rahmen. Also nicht so viel auf der Bühne.

Maxi: Ich würde wahrscheinlich auch Musik machen, wenn die O’Bros nicht so groß geworden wären. Dann hinge nicht so viel Orga dran und ich hätte mehr Zeit für die Musik an sich. 

Alex: Also, ich würde immer Musik machen, aber ich hätte meinen Fokus wahrscheinlich woanders hingelegt, wenn es nicht geklappt hätte.

Ihr habt auch schon heftige Shitstorms erleben müssen. Was hat euch geholfen, damit umzugehen?

Alex: Schon in der Bibel steht, wer sich zu Jesus bekennt, wird von dieser Welt gehasst werden. Selbst auf Jesus trifft das zu; er wurde sogar umgebracht. Wenn Christen Stellung für Jesus beziehen, bekommen sie heftigen Gegenwind a. k. a. Shitstorm. Es gab bei uns eine Zeit, in der wir im Internet total fertiggemacht worden sind und das hat uns sehr verletzt. Wir haben damals mehr als sonst Jesus’ Nähe gesucht – das hat uns sehr geholfen. Wir haben ihn gefragt, was er über die Hater denkt. Es ist krass: Er sieht zwar unseren Schmerz, aber er sagt nur wunderbare Sachen über diese Menschen. Er liebt sie so sehr wie uns! Er ist für diese Menschen gestorben. Diese Sicht hat uns einen riesigen und unerklärbaren inneren Frieden geschenkt. 

Wir konnten viele Dinge lernen, auch etwas über den Selbstwert. Wenn ein Shitstorm über dich kommt, ist die Frage: Wovon machst du deinen Wert abhängig – von der Meinung anderer, der Anzahl deiner Likes, deinem Aussehen? Wer seinen Selbstwert von anderen Menschen abhängig macht, wird stolz bei gutem Feedback und depressiv bei schlechtem. Das Beste ist, dass du deinen Wert von Jesus abhängig machst! Maxi hat mal gesagt: ‚Die Anerkennung oder Missachtung von tausenden Menschen ist lächerlich klein im Vergleich zu der Anerkennung, die mein Vater im Himmel für mich hat.‘

Ich habe gemerkt, dass der schlimmste Shitstorm auf der Welt mir nicht das nehmen kann, was mir wirklich wichtig sind: Gott, meine Berufung, meine Identität in Jesus, meinen Charakter, meine Familie und meine engen Freunde.

Während der Pandemie durften lange keine größeren Konzerte stattfinden. Wie habt ihr diese Zeit erlebt? Und worauf freut ihr euch am meisten, wenn „normale“ Konzerte wieder möglich sind?

Maxi: Für uns war die Zeit eine große Umstellung. Unsere riesige Deutschland-Schweiz-Tour und fast alle Konzerte mussten abgeblasen werden. Wir haben gelernt, wie nichtig unsere menschlichen Pläne sind, und wie wichtig es ist, nach Gottes Plänen zu leben. Trotzdem geht uns die Pandemie langsam auf den Sack. Wir haben richtig Bock, wieder auf der Bühne zu stehen.

Alex: Neulich sind wir vor nur 15 Leuten aufgetreten, statt wie sonst vor 15.000. Aber es war für uns voll cool, weil Gott uns damit gezeigt hat, was wirklich wichtig ist: Es sind nicht die Massen, sondern die einzelnen Personen. Diese Konzerte vor wenigen Leuten waren mega erfüllt mit dem Heiligen Geist.

Die beiden Rapper vermissen die Bühne und ihre Fans.

Was macht die Fans der O’Bros zu den besten Fans der Welt?

Maxi: Ohne unsere Fans wären wir überhaupt nicht da, wo wir sind. Unser erstes Album ist durch Crowdfunding entstanden. Rein finanziell hätten wir es niemals geschafft, die O’Bros alleine aufzubauen.

Alex: Wir lieben an unserer Community, dass sie so jesuszentriert ist. Es geht hier nicht um Maxi und mich, sondern darum, dass wir als eine Familie Jesus großmachen. Deshalb ist unsere Community geiler als die Community von anderen.

Was wünscht ihr euch, dass eure Hörer über euch wüssten?

Maxi: Unsere Hörer sollen verstehen, wer Jesus für uns ist, und dass wir ganz normale Menschen sind, wie unsere Hörer. Sie sollen verstehen, dass alles, was wir mit Jesus erleben, auch sie mit ihm erleben können.

Vielen Dank für das Interview liebe O’Bros!

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Seelenstiche

Photo by Cherry Laithang on Unsplash

„Du bist hässlich, dumm und wertlos!“,

sagen sie mir täglich herzlos.

„Deine dicke Hornbrille und Pickelfresse,

ekeln alle an – genau wie deine Blässe!

„Die Ekelhafte stinkt wie ein Schwein“,

lästern sie und stellen mir ein Bein.

„Du kannst nichts – Du bist und bleibst ein Loser!“,

spotten sie und ich werd immer hilfloser!

Überall Gelächter,

spöttische Gesichter.

Sie fühlen sich stark in der Gruppe,

meine Gefühle sind ihnen schnuppe.

Sie verletzen mich mit jedem Wort,

für sie ist das so was wie ein Sport.

Ein Mörder sticht seinem Opfer in die Kehle.

Ein Mobber sticht in eine verletzliche Seele.

„Sags uns, wer liebt dich schon?!“,

fragen sie mich voller Hohn.

Ich habe keine Antwort auf ihre Frage,

frage mich aber, wie lange ich das noch ertrage.

„Du bist unnötig. Bring dich mal lieber mal um!

Niemand wird dich vermissen; sich fragen nach dem Warum.“

Keiner steht mir bei in meinem Schmerz.

Mir blutet mein verwundetes Herz.

Ihre abscheulichen Worte und Taten

ist mein Sterben auf Raten.

Sie bringen mich in allergrößte Not,

Ich wünschte mir, ich wäre längst tot.

Doch alles, was sie über mich sagen sind Lügen.

Und wieso muss ich eigentlich ihnen genügen?

Ich bin wertvoll in Gottes Augen.

Das ist wichtig und richtig zu glauben.

Trotzdem ist der tiefe Schmerz noch da,

Rache will ich üben, ja!

Doch müsste ich eigentlich kämpfen mit anderen Waffen.

So wie es mir entspricht: Ich bin wunderbar geschaffen!

Wie mich selbst soll ich meinen Nächsten lieben;

ihm mehr als sieben mal sieben vergeben.

Das bedeutet nicht, mich wie Dreck behandeln zu lassen,

und sie weiter in meinem Herzen heimlich zu hassen.

Ein Mobber ist ein Gefangener seiner eigenen Unzufriedenheit.

Um seinen Frust auszulassen sucht er stets nach einer Gelegenheit.

Doch wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

Dafür wird Gott fürwahr sorgen und der Sieg ist mein.

Dazu muss ich ihm vertrauen ganz.

Nicht sie, sondern er gibt mir wahren Glanz.

Er wird mich wieder vollständig machen.

Dann kann ich neu vom Herzen lachen.

“Seelenstiche” wurde zuerst im Klartext-Magazin veröffentlicht.